Ephemera

Kurz und flüchtig

Nachdem verschiedene Medien über die Pläne der Freien Universität Berlin berichtet hatten, Lerninhalte extern ausschließlich über Apples iTunes U verfügbar zu machen, hieß es gestern an verschiedenen Stellen, die Freie Universität habe dies als Missverständnis bezeichnet bzw. ihre Strategie überdacht. Die Grundlage für diese Einschätzung ist eine Pressemeldung der FU vom 14. März, in der es heißt:

Aufgrund von teilweise missverständlichen Darstellungen in den Medien und Diskussionen in sozialen Netzwerken erklärt die Freie Universität Berlin zum geplanten Einsatz der Plattform iTunes U: Eine exklusive Nutzung der Plattform iTunes U zur Präsentation von Lehrveranstaltungen und audiovisuellen Materialien ist nicht vorgesehen.

Das scheint dem von verschiedenen Medien zitierten Brief zu widersprechen, in dem es heißt:

Ich möchte Sie deshalb bitten, von der Nutzung anderer externer Internet-Plattformen zur Verbreitung von aufgezeichneten Lehrveranstaltungen und audiovisuellen Materialien abzusehen..

Es klingt also zunächst wie eine Entwarnung. Beim näheren Hinsehen zeigt sich aber, dass sich an der im Brief ausgedrückten Position nichts geändert hat, denn die Pressemeldung geht weiter:

Die Plattform soll in Ergänzung zu den an der Freien Universität Berlin verwendeten E-Learning-Systemen und dem offiziellen Internetauftritt zum Einsatz kommen.

Aber die Medienberichte bezogen sich natürlich nicht auf die Idee, dass iTunes U die intern verwendeten E-Learning-Systeme (an der FU hauptsächlich das System „Blackboard“) oder gar — welch absurde Vorstellung — den Internetauftritt der Universität ersetzen solle, sondern darauf, dass die Freie Universität bei der externen Präsentation von Lerninhalten auf die proprietäre, lizenzrechlich problematische Plattform eines einzigen kommerziellen Anbieters setzen will, statt freie Lerninhalte, z.B. im Sinne der von der Unesco definierten Open Educational Resourceszu erstellen und auf Plattformen zur Verfügung zu stellen, die allgemein zugänglich sind und eine freie Weiterverwendung zulassen. Und auf diese proprietäre, lizenzrechtlich problematische kommerzielle Plattform will die Freie Universität weiterhin setzen:

Als internationale Netzwerkuniversität entwickelt die Freie Universität Berlin – ebenso wie eine Vielzahl anderer nationaler und internationaler Hochschulen – einen offiziellen Auftritt auf der weit verbreiteten Bildungsplattform iTunes U.

Alles beim alten also.

Um das klar zu stellen: Ich habe nichts gegen Apple. Ich schreibe diesen Beitrag auf einem Rechner von Apple. Ich habe auch nichts gegen iTunes U. Wie ich in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, würde ich dort sogar Inhalte einstellen, solange die gleichen Inhalte auch auf anderem Wege verfügbar sind. Apple kann eine Sache toll: Großartige User-Experience schaffen. Wer die Inhalte über iTunes U konsumieren will, soll das tun. Aber wer es nicht will, soll diese Inhalte auch an anderen Orten finden und verwenden können.

Die Freie Universität ist eine tolle Universität, ich kann mir nur wenige Orte vorstellen, an denen ich lieber lehren und forschen würde. Ich finde es begrüßenswert, dass meine Universität sich um eine zeitgemäße Öffnung von Lerninhalten bemühen will. Aber es ist nicht hinzunehmen, dass Lerninhalte exklusiv an einen IT-Konzern verschenkt werden, dem Lehren, Lernen und Wissen völlig egal sind.

Ich plane deshalb weiterhin, gemeinsam mit Kolleg/innen gegen diese Strategie zu protestieren, und natürlich bin ich weiterhin entschlossen, keine Lerninhalte exklusiv bei iTunes U einstellen.

Vor 1 Jahr
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  3. von astefanowitsch gepostet